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11. November 2020

Liebe Raviolinen und Ravialoren,
geschätzte Freundinnen und Freunde der Raviolibar,

erinnern Sie sich noch an den etwas penetranten Werbesong des Schweizerischen Versicherungsverbands, der vor einigen Jahren alle TV-Programme perforierte? "Slow down, take it easy" – Er sollte von zu schnellem Fahren abhalten. In den Slow- und Lockdowns dieses Jahres herrschte viel weniger Verkehr auf den Strassen, dafür gab es umso mehr Raser und Röhrer, die uns Normalverkehrende zu beeindrucken und umzubringen versuchten. Vermutlich hat es noch niemand evaluiert, aber vermutlich gibt es eine grosse Schnittmenge dieser Selbstermächtigten mit jenen, die die Seuche für einen Scherz und sämtliche Massnahmen für reine Willkür halten …
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Unser gewohntes Leben, das mit unerhört vielen Genüssen und Bequemlichkeiten ausgestattet war, hat im vierten Jahr der Raviolibar deutliche Risse bekommen. Wir möchten an dieser Stelle nicht über Details und die diversen Positionen und Meinungen diskutieren, die sich allein in unserer vielstimmigen Gästeschar offenbarten. Die Vielfalt ist ein enorm grosses Gut; die Meinungsfreiheit bleibt in unserer Gesellschaft ohne Einschränkungen erhalten (auch wenn manche es anders sehen) und das Mit- und Durcheinander verschiedenster Äusserungen ist insgesamt ein Merkmal unserer differenzierten Kultur. Leider bekommt jedoch das Gegeneinander oftmals ein viel zu grosses Gewicht, und auch das ist wohl Kultur und zugleich ein Zeichen für deren Zerbrechlichkeit oder gar Verlust. In Luzern gibt es (ausser kleineren und allgemein belächelten Beissereien) keine Strassenschlachten – aber wenn, dann fänden sie sicherlich auf der Kreuzung vor der Raviolibar statt, und deshalb gehören sie durchaus zu unseren dystopischen Alpträumen, die uns als Gastronomen und Kulturveranstalter heuer manchmal plagen. Viel lieber geben wir uns jedoch unseren Träumen hin, davon, dass es weitergeht – mit uns und mit Ihnen, mit dem Miteinander. Wahrscheinlich nicht mit allen; manche Akteure und Dienstleister sämtlicher Bereiche, die wir als Kulturbetrieb bezeichnen, werden ihre geschäftliche Zukunft begraben müssen. Und vielleicht wird es auch anders als vorher. Aber es wird sein. Kein Dasein im "als ob", sondern leibhaftig, mit Umarmungen, Küsschen, dem Austausch von Feuchtigkeiten aller Art, mit schwitzenden Leibern und Aerosolen vor den Bars und Bühnen

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Ob die Raviolibar es bis in diese neue Zeit schaffen wird – das steht noch in den Sternen. Wir werden alles versuchen, soviel sei versprochen. Nicht nur für unsere Mitarbeitenden und Freunde, für die Musiker und Künstlerinnen, die Schnapsfabrikanten und Kaffeeröster, sondern auch für Sie, unsere Gäste. Ganz alleine schaffen wir es aber nicht; wir brauchen Ihre, Eure Mitarbeit. Eine Arbeit, die uns allen ein Vergnügen sei …

Damit dieser Newsletter nicht nur einer von vielen mit irgendwie viel Gefühlen zur Zeit ist, folgen nun knallharte Neuigkeiten von höchster Relevanz:
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  • Unser Sommergarten in der Frankenstrasse, der in der warmen Zeit zu, beliebten Hang out wurde, musste zurückgebaut werden. Wir konnten ihn nicht einlagern und gaben ihn sehr gerne an das KKLB weiter (Kunst und Kultur im Landessender Beromünster), wo Aktionskünstler WETZ ihn bereits mit einem Dach versah. Die Terrasse wird im nächsten Jahr Teil der Installation "Blumen für die Kunst".
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Die Raviolibar wird sich – sofern die Stadt sich dazu durchringen kann, diese überlebenswichtige Möglichkeit für kleine Gastronomen nochmals zuzulassen – im Frühjahr eine neue Terrasse bauen. Seid gespannt!
  • Im Spätsommer und Herbst fanden erste kleinere Live-Konzerte in der Bar statt, wobei wir die Regeln natürlich streng befolgten. Die gewohnte Verdichtung des Publikums mit Rausch und Ekstase musste ausbleiben. Immerhin durften einige Musiker*innen wieder ihrem Beruf nachgehen, uns zu begeistern.
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"Memories are paid of this" – Musik aus der Raviolibar Vol. 1, unter diesem Titel erschien nun auch die erste Vinylscherbe der Raviolibar mit Songs aus drei Jahren Konzertprogramm. Zum einen ist sie eine akustische Erinnerung an viele wilde Stunden, zum anderen aber noch viel mehr: Sie soll zugleich die Hoffnung bedienen, nach einer Lösung der viralen Problematik wieder loszufeiern! Der Solidarpreis von 50 Sfr für die limitierte und nummerierte Vinyl fließt in die Honorarkasse für die ersten wieder bei uns auftretenden Künstler*innen. Es werden neue Bands und Solierende sein, hoffentlich aber auch einige unserer alten Freunde von nah und fern. Die Platte vereint Stücke von: Canaille du jour, Langue érotique, El Ritschi, Heligonka, pauT, Der Nino aus Wien feat. Franui, Voodoo Jürgens, Division Man, Die Jakobs, Count Gabba, The Backbeat Band und Baba Roga. Die Gestaltung übernahm in bewährter Weise Silvio Waser (buffet für gestaltung).
Bestellung der Platte
bitte per Mail:
  • Unsere Krisen-Koch-Aktion (unter dem Motto: "Eine Hand wäscht die andere") ab April war ein voller Erfolg: "Kurt koch(t)" – Das Gourmet-Lunch-Take Away im Fensterverkauf begeisterte viele Hungrige zur Mittagsstunde, und auch mancher, der im Homeoffice darbte, kam vorbei, um sich kontaktarm eine feine Stärkung zu holen.
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  • In diesen Tagen endet die grossartige Ausstellung von Sämi Hoffmann, die am 18. August Vernissage feierte. Wir durften mehrmals neue Werke hängen, denn der Zuspruch war erfreulich. Kein Wunder, denn die Preise für manch ältere, jedoch auch zahlreiche ganz neue Werke des bekannten Steinmetzes, Kunstmalers und Schlagzeugers (Möped Lads, Ado etc.) waren sehr käuferfreundlich bemessen. Wer bis heute noch nicht zugeschlagen hat, ist echt selber schuld. (Allerdings helfen wir auch im Nachhinein noch gerne weiter; siehe nächster Eintrag.)
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  • Wie kommt die Raviolibar über diese erneut schwierigen und zudem kalten Tage? Ganz genau wissen wir es nicht, aber Ideen gibt es ja immer. Um den Raum auch tagsüber zu nutzen und den vielen künstlerisch tätigen Luzerner*innen eine Möglichkeit zu geben, die ausfallenden Weihnachtsmärkte zu kompensieren, eröffnet am 20. November der AllerArt-Shop!
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Die Wände werden für die Saison bis ins nächste Jahr hinein mit Regalen und Tablaren ausgestattet; angeboten werden künstlerische Werke, Kunstgewerbliches, Bücher, Platten, Publikationen aller Art, handwerklich hergestellte Gebrauchsgegenstände, bezaubernder Nippes und allerliebste Geschenkartikel – nicht nur zum drohenden Weihnachtsfest.
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Grossalarm: Dieser Shop wird der ganz heisse Scheiss für die ausgebremste Weihnachtssaison 2020! Der Andrang der Käufer*innen wird sich über den ganzen Tag verteilen; die Bar hat geöffnet und möglicherweise werden wir alle dadurch ein kleines bisschen weniger unglücklich. Das wäre doch das Maximum!
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Wir bemühen uns um ein reichhaltiges Angebot gut ausgewählter Artikel, und natürlich sind auch noch Werke von Sämi Hoffmann und aus vorhergehenden Ausstellungen zu erwerben.
  • Als ein grosses Glück im Unglück dieses bescheuerten Jahres betrachten wir, dass die Raviolibar noch keine Mitarbeitenden entlassen musste. Natürlich ist es für alle knapper und schwieriger geworden; der Betrieb hat noch Reserven und die Zukunft ist ungesicherter denn je. Wir gehen davon aus, dass es die raviolibar im nächsten Sommer noch geben wird. Wir leben nicht nur von Tag zu Tag, sondern auch von Idee zu Idee und von Partner zu Partner:
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Unser neuer Kollege – mindestens für die Winterzeit – ist der Wiener Zuckerbäcker Freddy Krieger, der zuvor als Chefpatisseur in den besten Häusern tätig war und nun, mit toller Unterstützung durch die Bäckerei Sutter von gegenüber, deren Backstube er mitbenutzen darf, exklusive Feinbackwaren für die Raviolibar anbieten wird. Selbstverständlich gehört dazu auch eine Spezialkollektion an Weihnachts- und Winterguetzli, die in Kürze zum Verkauf gelangt. Wir rechnen damit, dass sich dieser Geheimtipp epidemisch unter den Liebhabern ausserordentlichster Patisserie verbreiten wird.
Schluckimpfung
  • Hochsaison hat nun auch unsere exklusiv feine Medizin für die kalten Tage: "Schluckimpfung" ist ein Bio-Ingwerschnaps aus unserer eigenen Entwicklung und Produktion, bei dem sich das Angenehme mit dem Nützlichen verbindet, Rausch und Heilung friedlich vereint. Trinkbare Vernunft, bisher nur im Offenausschank, doch ab Mitte November auch auf kleine Flaschen gezogen: Ein brillantes Geschenk für jung und alt!
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Die Gastronomie und die gesamte öffentliche Kultur wird, wenn sie wieder vollends geöffnet haben wird, noch eine ganze Weile ein Restrisiko bleiben – generell und auch in der Raviolibar. Dieses Bewusstsein wird uns im Nacken sitzen, wenn wir es eingehen, bevor die Wissenschaft das Virus sozusagen im Griff hat. Wir sind uns selber nun mal von Natur aus gefährlich, vor allem in der Interaktion, gleich ob wir streiten, feiern oder trinken. Und wenn Kultur – wie man sie auch definieren mag – zwar nicht alles ist, so ist doch ohne Kultur das alles nichts. Die Raviolibar freut sich auf ein spannendes nächstes Jahr mit Ihnen und Euch allen. Wohin es uns auch führen mag …

Wir wünschen Euch und Ihnen Gesundheit, Geduld und Gelassenheit. Und freuen uns auf ein Wiedersehen – in den nächsten, ereignisreichen Tagen eines einzigartigen Advend´ts – in der Raviolibar!
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