Raviolibar
RB_Plakat_A3.indd

Zwischen Normalo-Tom Waits und Schmäh-Leonard Cohen.
(Manuel Berger)

"Die erste Gschicht erzählt a kugelrunder Russ." Ja, und dann erzählt er, der Voodoo Jürgens, und erzählt und erzählt. Von was eigentlich? Einer engen "Wohnung in der Nobilegassn", Müttern mit Sterbewunsch, die dem Bua "a Fraa" wünschen und beinamputierten Säufern. Ziemlich viel also, im Grunde aber ... nichts.

.....................................................

"Seine Jugend im niederösterreichischen Ort Tulln hätte er natürlich auch schon sehr viel früher verarbeiten können, aber wer weiß, ob er sie damals schon so bildgewaltig austarieren hätte können, diese Zeit „zwischen Zuckerbude und Kadaverfabrik“. Als er im Kindergarten verprügelt und in der Schule ausgelacht wurde, weil sein Vater ins Gefängnis musste. Als der Stadtpark-Fredl den Kindern 500 Schilling gab, damit sie ihm beim Wichsen zuschauten. „Tulln“ ist eine autobiografische Geschichte unter vielen gut erfundenen. David Öllerer hat, das merkt man deutlich, wenn man Ansa Woar hört, endlich seine Sprache gefunden, und nun kann er gar nicht genug Worte in seinen Liedern unterbringen. Die Melodien sind dafür sparsam, mit Wandergitarre oder Geisterbahnorgel dargeboten, begleitet von Gästen wie Andreas Spechtl und Sebastian Janata (Ja, Panik), dem Nino aus Wien und Schauspielerin Eva Billisich (bekannt aus der österreichischen Anarcho-Komödie „Muttertag“).

In den Texten geht es schwarzhumorig bis makaber zu, so wie einst beim gewaltigen Helmut Qualtinger, und vor allem sehr, sehr Wienerisch: Allerorten regnet es „Watschn“, einer will dem anderen das „Gnack“ brechen oder ihn „hamdrahen“ (umbringen). Auch eine Nähe zu Tom Waits spürt man, wenn sich in der scheinbar weitgehend von Säufern und Verlierern bevölkerten Welt zuweilen eine bärbeißige Romantik offenbart. Im Liebeslied „In deiner Nähe“ heißt es trocken: „Es klangat a pochn“ – also: lächerlich – „wenn i’s auf Englisch singan tat oder auf Italienisch mit ‚Amore‘ einedrah.“ Amore, das ist ein gutes Stichwort: Denn so wahnsinnig erfolgreich wie die Kollegen von Wanda wird Voodoo Jürgens wohl nicht werden. Dafür ist sein atonaler Singsang ein bisschen zu anstrengend, seine Sprache zu speziell. Aber die alte Mär von Wien, Wein, Weib und Tod, die erzählt er besser als alle seine Zeitgenossen."

Reiner Reitsamer, Musikexpress


https://www.youtube.com/watch?v=PvJ9L9gmJSs
https://www.youtube.com/watch?v=1g9GgTLBnw4

Dann geht es weiter mit dem nächsten Konzert von:
Plakat Pablo Halter.psd

Die neuen Band von Pablo Haller und Christian Löffel.

Als die ersten Campesinos in den Zuckerrohrfeldern Hato Mayors ihren «verhunzten Bolero» (Ramón Torres) aus den Gitarren zupften und dabei den Bachata erfanden, war das bestimmt nicht so gedacht, wie es heute bei Ron y Ruido, benannt nach dem eigentlichen Nationalmotto der Dominikanischen Republik, klingt: Pablo Haller chapiadiert die spanischen Originalstauden mit seiner Sprachmachete, während Christian Löffel aus lüpfigen Rhythmen herb-süsse Chansons destilliert.

facebook
MailPoet